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Chef, bitte zahlen!

Oktober 2014 - Betriebliche Altersversorgung heißt so, weil sie immer über deinen Betrieb läuft: Er sorgt dafür, dass Geld für deine Altersvorsorge zurückgelegt wird. Dabei gibt es verschiedene "Durchführungswege". Betriebliche Altersversorgung kann sich lohnen. Muss sie aber nicht.

Betriebliche Altersversorgung kann mittels der sogenannten Entgeltumwandlung durchgeführt werden: Arbeitnehmer oder Azubis verzichten auf die Auszahlung von Teilen ihrer Vergütung. Dieser Betrag wird in der Regel bei einer Versicherung angelegt und bleibt steuer- und sozialversicherungsfrei. Das hört sich super an. Aber wie gut ist das wirklich?

Schnell erklärt:

Jörn hat gerade seine Ausbildung als Industriekaufmann begonnen. Sein Ausbilder hat ihm eine vom Ausbildungsbetrieb angebotene Direktversicherung vorgestellt. Die würde so laufen: Jörn lässt sich 30 Euro seiner Ausbildungsvergütung nicht auszahlen. Dieser Betrag wird dann in eine Lebensversicherung eingezahlt, die bis zum Ruhestand  läuft. Von den 30 Euro müsste Jörn …

  • a) keine Steuern zahlen. Davon hat Jörn allerdings derzeit gar nichts. Denn er muss sowieso keine Steuern zahlen. Steuern zahlt meist nur, wer im Monatsschnitt mehr als 946 Euro verdient. So viel wird Jörn selbst im dritten Ausbildungsjahr nicht bekommen. Steuern spart er also erst, wenn er übernommen wird und ein richtiges Gehalt bekommt.
  • b) keine Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Dadurch würde Jörn im Monat etwa sechs Euro "sparen". Der Haken dabei: Seine spätere Rente sinkt leicht, denn zu den Sozialversicherungsbeiträgen gehören auch die Rentenbeiträge. Und je mehr er in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, desto höher fällt die spätere Rente aus. Damit nicht genug: Auch Arbeitslosenversicherung und Krankenkassenbeiträge zählen zu den Sozialversicherungsbeiträgen. Weniger Einzahlungen bedeuten im Ernstfall weniger Arbeitslosen- und Krankengeld – aber auch bei der Berechnung vom Erziehungsgeld wirkt sich das negativ aus.  Das Sparen bringt hier also nicht nur Vorteile.

Jörns Arbeitgeber hätte allerdings nur Vorteile: Die meisten Sozialversicherungsbeiträge teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Genau wie Jörn spart also auch sein Chef Sozialversicherungsbeiträge- und zwar ebenfalls rund sechs Euro im Monat.

Tipp: Was Jörns Arbeitgeber an Beiträgen spart, könnte er zusätzlich in Jörns Direktversicherung einzahlen. Muss er aber nicht. Einige Arbeitgeber machen das. Nachfragen!

 

Beispiel Chemieindustrie

In manchen Tarifverträgen ist die betriebliche Altersversorgung verbindlich geregelt. Diese gelten für ganze Branchen.

Das ist zum Beispiel in der Chemieindustrie der Fall: Dort gibt es einen so genannten "Entgeltumwandlungsbetrag" in Höhe von 478,57 Euro pro Jahr. Dies sind die "alten" Vermögenswirksamen Leistungen. Diesen "Arbeitgeberzuschuss" erhalten Arbeitnehmer jedoch nur noch, wenn sie diese Leistungen in einen Altersvorsorgevertrag einzahlen. Entscheiden sie sich dafür, kommt noch eine Zulage vom Arbeitgeber über 134,98 Euro hinzu. Zusammen sind das 613,55 Euro.

 

Alternative: „Riestern“

Auch für Azubis und Niedrigverdiener kann sich ein Riester-Vertrag lohnen. Würde Jörn beispielsweise in seinem ersten Ausbildungsjahr 60 Euro im Jahr (5 Euro im Monat) in einen Riester-Vertrag einzahlen, könnte er eine staatliche Zulage von 154 Euro erhalten – und zusätzlich im ersten Sparjahr einen Bonus in Höhe von 200 Euro.

Der Betrag von 60 Euro im Jahr ist – bei ledigen, kinderlosen Arbeitnehmern – bis zu einem Vorjahresverdienst von 5.350 Euro ausreichend. Verdient ein Arbeitnehmer mehr, erhöhen sich die 60 Euro entsprechend.

 

#Bei der betrieblichen Altersversorgung werden in der Regel Teile des Gehalts für das Alter gespart. Du sparst Sozialabgaben und später Steuern, bekommst dadurch aber weniger Rente, Arbeitslosen- und Krankengeld. Zudem müssen für Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung im Alter Steuern nd Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden.

#Betriebsrente #Entgeltumwandlung #Direktversicherung 

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