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Dezember 2014 – Wie arbeitest du? Wo liegen deine Stärken, wo deine Schwächen? Bist du fleißig oder faul? Und mindestens genau so wichtig: Wie verhältst du dich bei der Arbeit den Kollegen und dem Chef gegenüber? Und wie ist dein Benehmen gegenüber Kunden? Antworten auf all diese Fragen finden sich im Arbeitszeugnis. Oft sind die Antworten aber verschlüsselt. Denn die Zeugnissprache ist wie ein geheimer Code. Jede Personalabteilung kennt ihn. Wir haben einige typische Formulierungen für dich übersetzt.

In Noten übersetzt

Im Zeugnis stehen zwar auf den ersten Blick keine Noten. Aber die Bewertungen, die Arbeitgeber in den Text schreiben, lassen sich durchaus in Schulnoten übersetzen.

  • Die Formulierung "stets zur vollsten Zufriedenheit" ist etwa die Schulnote "sehr gut". Anstelle von "stets" kann auch "immer" oder "jederzeit" im Zeugnis stehen.
  • Um ein "gut", also um die Note 2, handelt es sich beim Ausdruck "stets zur vollen Zufriedenheit".
  • Steht im Zeugnis "zur vollen Zufriedenheit", bedeutet das, die Arbeit war nur befriedigend, entsprechend der Note 3.
  • "Stets bemüht, die an ihn/sie gestellten Anforderungen zu erfüllen." Das ist die schlechteste aller möglichen Beurteilungen. Denn wer sich nur bemüht, hat die Aufgaben nicht unbedingt auch erfüllt.

Um die Ecke formuliert

Oft liest sich ein Arbeitszeugnis recht gut. Es gibt viele positive Formulierungen. Das liegt aber nur daran, dass Personalabteilungen ihre Kritik am Mitarbeiter nicht unbedingt offen äußern wollen. Nicht selten sind positiv klingende Formulierungen negativ gemeint.

  • "Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei." Heißt übersetzt: "Er neigt zu übertriebenem Alkoholgenuss".
  • "Frau Maier erledigte alle Arbeitsaufgaben mit großem Fleiß." Das heißt übersetzt: "Sie war eifrig, aber leider ohne Erfolg."
  • "Für die Belange der Mitarbeiter bewies er immer Einfühlungsvermögen." Das bedeutet übersetzt: "Sucht ständig Kontakte mit anderen Beschäftigten. Auch sexueller Art."
  • "Herr Schmitt verhielt sich stets einwandfrei gegenüber Kollegen". Das klingt erstmal gut. Es kann aber auch bedeuten, dass der Mitarbeiter geschwätzig war oder sich im Betriebsrat engagiert hat. Und das gefällt nicht allen Arbeitgebern. Für eine positive Beurteilung fehlt eine Anmerkung zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten oder Kunden.

Die Schlussformel

Das Arbeitszeugnis endet in der Regel mit einer Schlussformel. "Frau Maier verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch, was wir außerordentlich bedauern" – das wäre das Beste, was unter dem Zeugnis stehen kann. Ergänzt mit Dank für die "geleistete, erfolgreiche und stets gute Zusammenarbeit" und den besten Wünschen für die Zukunft. "Weiterhin viel Erfolg" klingt besser als "viel Erfolg". Denn "viel Erfolg" heißt: "Bei uns hatte Frau Maier keinen Erfolg".

Anspruch: Du hast einen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis. Das Zeugnis soll dir schließlich dabei helfen, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Deshalb muss es auch wohlwollend formuliert sein. Du kannst daher auch verlangen, dass es dir auf sauberem, offiziellem Geschäftspapier ausgestellt wird. Und dass du es zeitnah zu deiner Kündigung oder dem Auslaufen des Arbeitsverhältnisses bekommst. Heb’ dein Zeugnis gut auf, du wirst es bei anstehenden Bewerbungen brauchen.


Weitere Infos zum Arbeitszeugnis und ein Bewerbungstraining gibt es auf der Internetseite www.planet-beruf.de. Und wenn du mehr erfahren willst: Auf der Internetseite www.berufsstrategie.de  geben die beiden bekannten Autoren Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader Tipps rund um Bewerbung und Jobwechsel.

#Geheimcode: Lies dir das Zeugnis gut durch, sobald du es bekommen hast. Wenn dir negative Formulierungen auffallen oder etwas fehlt, sprich darüber mit deinem Chef oder der Personalabteilung und schlag’ Alternativen vor.

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