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Götter in Jogginghosen

Warum wird man Physiotherapeut? Wir haben mal nachgefragt.

Februar 2018 – Wer sich schon mal einen Arm gebrochen oder das Kreuzband oder die Achillessehne gerissen hat, kennt sie: Physiotherapeuten. Beinpresse, Balanceboard, Terraband – Physios wissen, wie sie dich wieder fit kriegen. Das muss ein guter Beruf sein, wenn man nicht selbst, sondern andere schwitzen lässt. Oder? Wir fragen Daniel Görge (27). Er arbeitet in der Rehaklinik Sonnenblick der Deutschen Rentenversicherung in Marburg.

Was ist dein Job genau?

Wir Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen helfen vor allem Menschen, deren Beweglichkeit durch eine Krankheit oder nach einem Unfall eingeschränkt ist. Mit ihnen trainieren wir zum Beispiel Bewegungsmuster, Ausdauer oder Kraft.

Physiotherapeuten werden aber auch immer stärker in der Prävention eingesetzt – dann macht man Übungen, damit die Patienten langfristig gesund bleiben. Wir haben also nicht nur mit Kranken zu tun.

Daniel Görge, Physiotherapeut in der Rehaklinik Sonnenblick der Deutschen Rentenversicherung in Marburg.

Und wie bist du auf die Idee gekommen, Physiotherapeut zu werden?

Über Umwege: Ich habe das Fachabi gemacht, dann bei der Bundeswehr Sanitätsdienst. Danach habe ich Bürokaufmann gelernt und gemerkt: Auf Dauer ist das nichts für mich. Durch den Sanitätsdienst hatte ich ja Erfahrungen im medizinischen Bereich – da wollte ich wieder hin. Über das Internet bin ich dann auf „Physiotherapeut“ gestoßen.

Und bestimmt bist du auch privat sportlich, oder?

Ja: Tischtennis und Crossfit – einer intensiven Mischung aus Kraft und Ausdauer. Wen es interessiert: Auf YouTube gibt’s dazu ein paar schöne Videos.

 

 

In einem Job-Steckbrief der Bundesagentur für Arbeit steht, dass man in deinem Beruf Durchhaltevermögen braucht. Warum?

Die meinen damit bestimmt die Ausbildung: Die dauert drei Jahre und man muss schon viele Praktika und Zwischenprüfungen machen. Und man muss die Ausbildung selbst bezahlen. Ich habe etwa 400 Euro im Monat gezahlt. Man kann aber BAföG beantragen oder einen Weiterbildungskredit aufnehmen.

Bestimmt muss man in der Schule gut in Sport gewesen sein, um Physiotherapeut zu werden – welche Fächer sind für den Job noch nützlich?

Physik und Biologie auf jeden Fall! Lateinkenntnisse sind nicht schlecht wegen der medizinischen Fachbegriffe. Ebenso Deutsch: Man muss sich ja verständlich mitteilen können.

Du arbeitest in einer Rehaklinik: Unterscheidet sich die Arbeit dort von der Arbeit in einer Praxis?

In einer Praxis hat man schwankende Arbeitszeiten, oft wird bis 21 Uhr gearbeitet, zwischendrin gibt es mal auch Leerlauf. In einer Rehaklinik ist das anders: Feste Arbeitspläne, es gibt keine Hausbesuche und man arbeitet intensiv mit den Patienten zusammen. Auch der Kontakt mit den Ärzten ist viel direkter: Man kann sich jederzeit abstimmen. Das gefällt mir.

Und wie sieht es mit Fortbildungen aus?

Da gibt es extrem viele – in alle Richtungen: Man kann sich zum Beispiel auf Kinder spezialisieren oder Zusatzqualifikationen wie „Lymphdrainage“ oder „Manuelle Therapie“ erwerben. Langweilig wird es nie.

Du hilfst in einer Rehaklinik Menschen mit Krankheiten, nach Operationen oder Unfällen. Man kriegt zwangsläufig viele Schicksalsschläge mit – wie gehst du damit um?

Ja, das ist richtig – gerade hier in der Klinik-Sonnenblick: Wir haben eine onkologische Abteilung, also viele Patienten mit Krebserkrankungen. Ich habe aber gelernt, das zu trennen: Ich nehme die Erlebnisse nicht mit nach Hause. Außerdem: Ich helfe Menschen, das finde ich schön an meinem Beruf.

Und du motivierst: Wie bringst du deine Patienten auf Trab? Hast du eine spezielle Methode?

Mit Humor! Gerade in Gruppen ist der wichtig. Dank Humor machen die Patienten motivierter mit. Da helfen Sprüche-Klassiker wie „Atmen nicht vergessen!“.

Wenn wir schon dabei sind: Wir haben mal ein paar typische Patientensprüche gesammelt. Kennst du die: „Muss das denn so weh tun?“ oder „Ich wusste gar nicht, dass ich an der Stelle Muskeln habe.“

Ja, das hört man öfters.

„Ich fühle mich nach jeder Physio-Einheit mit Ihnen wie neugeboren.“

Schön. Ja, den Spruch hören wir hier ganz oft.

Und zum Abschluss bitte Hand aufs Herz: Du bist nur deshalb Physiotherapeut geworden, weil du den ganzen Tag in Jogginghosen rumlaufen kannst …

(Lacht): Erwischt!

 

Bild: Daniel Görge

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