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Dem Leben so nah

Oktober 2017 – Lebensfreude auf dem letzten Weg – das will Johanna Klug todkranken Menschen mitgeben. Die 23 Jahre alte Studentin aus Hamburg hat ein besonderes Ehrenamt: Sie ist Sterbebegleiterin.

Frage: Johanna, du bist Sterbebegleiterin. Was machst du da genau?

Johanna: Ich verbringe Zeit mit Menschen, die bald sterben werden oder lebensverkürzend erkrankt sind. Zurzeit besuche ich einmal die Woche hier in Hamburg ein zehnjähriges Mädchen, das an Kinderdemenz erkrankt ist. Wir spielen zusammen und machen das, worauf sie Lust hat. Sie ist voller Energie und Lebensfreude. Aber natürlich gibt es gute und schlechte Tage. Ich bin ja jede Woche direkt in der Familie. Da bekomme ich viel mit.

Wie bist du zu diesem Ehrenamt gekommen?

Johanna: (lacht) Das werde ich ganz oft gefragt, aber ich kann die Frage nicht so leicht beantworten. Ich hatte einfach den Gedanken, dass ich das gern machen würde. Ich habe dann auf der Palliativstation in der Uniklinik Würzburg, wo ich herkomme, angefangen, einmal die Woche für „Schöne Momente“ für die Patienten zu sorgen.

Was war das zum Beispiel?

Johanna: Ich habe mit ihnen Waffeln gebacken, Würstchen gegrillt oder einfach Blumen vorbeigebracht. Das waren dann oft die Aufhänger für sehr schöne Gespräche mit Patienten oder ihren Angehörigen. Mir ging es darum, den Menschen Lebensfreude und Lebensqualität zu geben. Als ich dann nach Hamburg umgezogen bin, habe ich bei den Maltesern einen Kurs zur Sterbebegleitung gemacht.

Es gibt eine Ausbildung zur Sterbebegleitung. Wie sieht die aus?

Johanna: Zuerst gibt es einen Grundkurs. Da geht’s um Kommunikation, medizinische Fakten, Trauerbewältigung und so weiter. Dann macht man ein Praktikum und danach gibt es noch einen Vertiefungskurs. Da werden spezielle Themen behandelt, zum Beispiel Selbstbestimmung am Lebensende oder Sterbebegleitung von Menschen mit Demenz oder ALS (Amyotrophe Lateralsklerose).

Wie gehst du damit um, wenn Menschen, die du über einen längeren Zeitraum regelmäßig besucht hast, gestorben sind?

Johanna: Manchmal ist es schwierig, Abstand oder Distanz zu behalten. Jeder muss irgendwann sterben, aber manche Geschichten berühren mich sehr, wie die des Mädchens, das ich gerade begleite. Aber wenn ich miterlebe, dass ein Sterbenskranker durch den Tod frei und ohne Schmerzen sein kann, dann macht es mir das leichter. Und es hilft natürlich, wenn man selbst mit anderen darüber reden kann, mit den Ärzten im Krankenhaus, mit den Leuten aus dem Kurs ...

In unserem Alter sind Sterben und Tod ja nicht gerade ein Thema, mit dem man sich gern beschäftigt ...

Johanna: Ja, das stimmt. Das ist ein Tabuthema, obwohl es das Thema ist, das uns alle betrifft. Aber je offener ich dieses Thema kommuniziere, desto mehr merke ich eine positive Veränderung. Und der Tod ist auch nicht immer etwas Schreckliches. Der Sterbeprozess kann auch schön und positiv gestaltet sein. In Hospizen wird ja nicht nur geweint, sondern auch gesungen und gelacht. Deshalb habe ich auch meine Bachelorarbeit über die Enttabuisierung von Sterben und Tod geschrieben.

Was hat sich für dich durch deine ehrenamtliche Arbeit geändert?

Johanna: Ich glaube, ich sehe die Welt einfach mit anderen Augen als früher. Ich genieße es mehr, lebe intensiver und achte viel bewusster auf die kleinen Dinge des Lebens.

Viele Leute fühlen sich unsicher, wenn sie mit todkranken Menschen zu tun haben. Sie wissen nicht, wie sie mit ihnen umgehen oder worüber sie mit ihnen reden sollen. Was rätst du ihnen?

Johanna: Ein „richtig Reagieren“ gibt’s nicht. Hab keine Angst davor etwas Falsches zu sagen. Vertrau auf dein Gefühl, denn dein Gegenüber merkt es, wenn du dich verstellst. Auch Schweigen kann eine sehr intensive Art sein zu kommunizieren.

 

 

Zur Person:
Johanna Klug ist 23 Jahre alt, kommt aus Würzburg und hat dort Medienmanagement studiert.

Seit April lebt sie in Hamburg und macht den Master „Digitale Kommunikation“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Sterbebegleiterin ist sie seit mehr als einem Jahr.

Bild: Johanna Klug © Sebastian Isacu

 

 

# Sterbebegleitung: In den Wochen vor ihrem Tod brauchen Menschen oft besondere Unterstützung. Dafür sind Sterbebegleiter da.

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