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Engel aus dem Schuhkarton

Dezember 2018 – Zwischen den Banktürmen Frankfurts gibt es an Weihnachten eine Bescherung für Obdachlose. Dafür sorgen die Streetangels.

Der Dezember ist ein kalter Monat. In manchen Straßenzügen in Frankfurt am Main ganz besonders. Wenn die Banktürme den Wind in die Straßenschneisen pressen, zieht ein kalter Hauch selbst durch dicke Jacken, fährt in Schlafsäcke, lässt die Haut und Lippen binnen weniger Stunden rissig werden.

Und dennoch: Der Dezember ist für Obdachlose nicht nur ein schlechter Monat. „Es ist eine zwiespältige Zeit“, erklärt Sabi Uskhi: „In keiner anderen Zeit wird Obdachlosen so viel Geld gegeben wie in der Weihnachtszeit. Gleichzeitig merken sie aber, dass sie keine Familie haben.“

Einfaches kommt gut an

Sabi Uskhi kümmert sich um Obdachlose. Vor rund vier Jahren hat er die Hilfsorganisation Streetangel Frankfurt e.V. gegründet. Eigentlich ist er in fast jeder freien Minute draußen auf der Straße und versucht zu helfen. An Weihnachten ist es ihm aber eine ganz besondere Herzensangelegenheit. Er spürt, dass dieser Zwiespalt auch gefährlich sein kann. Etwa dann, wenn der volle Geldbecher dazu verführt, die Leere mit einer Extraportion Alkohol oder Drogen zu füllen. Auch deswegen hat er die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ins Leben gerufen.

Die geht so: Wer mitmacht, packt einen Schuhkarton mit Geschenken, legt ein Kärtchen dazu, übergibt es ihm und Sabi organisiert mit seinen Vereinsengeln an Weihnachten eine Bescherung.

Längst haben sich die Kanäle, über die die Streetangels Geschenkkartons bekommen, verselbstständigt: Das Rentnerpaar, die sozial engagierte Familie und immer wieder ganze Schulklassen beteiligen sich an der Aktion. Sabi: „Es sind einfache Dinge, die den Obdachlosen Freude machen: ein Schal, Desinfektionsmittel, Seife, Handschuhe, eine Mütze, Schokolade.“

Lerneffekt inklusive

Viele machen sich richtig Mühe, verpacken die Kartons aufwendig, schreiben bunte Karten oder legen, wie das ein kleines Mädchen getan hat, einen Schutzengel in die Box – verbunden mit dem Wunsch, dieser solle ab nun den Beschenkten begleiten. Und so erreichen die Streetangels mit „Weihnachten im Schuhkarton“ auch, dass Spender sich mit denen auseinandersetzen, die sonst in Parks, Hauseingängen oder U-Bahn-Schächten verschwinden. Und wenn sich Menschen auf der Straße über Dinge freuen, die im Haushalt einfach da sind, erdet das so einige teure Wunschzettel.

Bescherung am Straßenrand

Die Streetangels kennen die Plätze, an denen sich Obdachlose aufhalten. An Weihnachten machen sie ihre Runde, setzen sich neben sie und nehmen sich Zeit für eine kleine Bescherung: „Das ist ein emotionaler Moment“, sagt Sabi. Für viele Obdachlose zähle nicht allein das Geschenk, sondern auch das Gefühl, dass da irgendwo einer an sie gedacht hat. „Da kullert schon mal eine Träne über die Wange.“

Das sind dann die Situationen, die für die Streetangels auch eine kleine Bescherung sind: „Wenn jemand, der eigentlich nichts zu lachen hat, lächelt – das ist einfach schön“, sagt Sabi.

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